Dienstag, 5. November 2019

Der Wald der Zukunft


Kaum jemandem ist es wohl verborgen geblieben, der deutsche Wald hat in den letzten Jahren ganz schön zu kämpfen. 

Hier im Osnabrücker Raum begann alles schon im Herbst 2017, in dem es überdurchschnittlich viel regnete. Im Dezember 2017 und im Januar 2018 erreichte der Niederschlag sogar jeweils 145% des langjährigen Mittel (vgl. www.wetterkontor.de). Dieser Umstand wiederum führte dazu, dass die Böden komplett durchweicht waren, als im Januar 2018 das Sturmtief „Friederike“ über Deutschland hinwegfegte. In dem weichen Boden fanden die Bäume keinen Halt mehr und kippten der Reihe nach um.
Auf diesen nasskalten Winter folgten die Dürresommer 2018 und 2019, in dem es nur zwischen 12% (Juli 2018) und 56% (August 2018) im Vergleich zum langjährigen Mittel regnete. Gleichzeitig lagen aber die Temperaturen zwischen 1°C und 4°C höher als im Durchschnitt (vgl. www.wetterkontor.de).
Die bereits durch „Friederike“ geschwächten Bestände mussten so mit nachfolgenden Kalamitäten zurechtkommen. Ein Großteil der Fichtenbestände und eine ganze Reihe von Lärchenbeständen vielen dem Borkenkäfer zum Opfer. An Fichte fanden sich vorrangig der Buchdrucker (Ips typographus) und der Kupferstecher (Pityogenes chalcographus), an Lärche der Große Lärchenborkenkäfer (Ips cembrae). Buchenbestände leiden unter Schleimfluss, Eichen unter dem Eichenprozessionsspinner, Eschen unter dem Eschentriebsterben….

Fast jede unserer heimischen Baumarten hat im Moment ein Problem und diese Probleme werden im Zuge des Klimawandels und mit dem mit ihm einhergehenden Temperaturanstieg und den häufigeren Stürmen nicht gerade geringer.

Wir brauchen also Lösungen, damit unser Wald auch in Zukunft erhalten bleibt und dabei stabil ist. Welche Baumarten können wir noch einsetzen? Zu was sollen wir Förster unseren Waldbesitzern raten?

Als allererstes ist immer wichtig, dass man Mischbestände etabliert. Die Forstwirtschaft baut schon seit Jahrzehnten die nach dem Krieg aufgeforsteten Monokulturen aus Fichte oder Kiefer in Mischwälder um, indem vor allem Laubbaumarten wie Buche, Eiche oder Ahorn eingebracht werden. Aber so etwas geht nicht von heute auf morgen und mittlerweile haben eben leider auch diese Arten mit dem Klimawandel zu kämpfen.

Bewährt haben sich hingegen die Douglasie und die Roteiche, beides Arten, deren Ursprung in Nordamerika liegt. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie gegenüber Trockenheit und Wärme toleranter sind als Fichte und Buche. Die Douglasie wurzelt zudem auch tiefer als die Fichte und steht deshalb im Sturm stabiler. Sie wächst sehr schnell und ihr Holz ist genauso gut verwendbar wie das heimischer Nadelholzarten.

Mediterrane Baumarten wie Esskastanie, Baumhasel oder Zerreiche sind zwar hier nicht heimisch, kommen aber mit unserem zukünftigen Klima hervorragend zurecht. Auch ihr Holz ist sehr gut verwendbar.

Leider gibt es keine Patentlösung, die ich hier präsentieren kann. Da es bei uns aber immer wärmer und trockener wird, sollten wir unseren forstlichen Blick auch mal über Deutschland hinaus wenden und uns auch auf „fremdländische“ Baumarten einlassen.
Einen Versuch ist es allemal wert.

Samstag, 22. September 2018

Ein Relikt aus dem Mittelalter


Die Wirtschaft im Allgemeinen und auch die Forstwirtschaft im Speziellen leben von ständiger Modernisierung und Innovationen. Gerade die Abläufe in der Holzernte und -bringung sind mittlerweile hoch technisiert. 

Aber ist Innovation immer der richtige Weg, muss alles immer auf dem neuesten Stand der Technik sein? Nicht unbedingt. 

Hin und wieder können auch heutzutage Methoden aus dem Mittelalter Vorteile für uns bieten. Ein Beispiel dafür sind sogenannte Klotzbeuten.
Sie entstammen einer Zeit, in der die Menschen gerade anfingen, eine frühe Form der Imkerei zu betreiben, die Zeidlerei. Zunächst wurde bei der Zeidlerei Honig von wilden Bienenvölkern gewonnen. Um die Honigernte ertragreicher und kalkulierbarer zu machen, gingen die Zeidler dazu über, den Bienenvölkern künstliche Nistmöglichkeiten anzubieten. Die Klotzbeuten, von Menschenhand ausgehöhlte Baumstämme, in denen sich Bienenvölker ansiedeln konnten, entstanden. 

Eine Klotzbeute im Alt-Schledehauser-Berg bestehend aus einer ausgehölten Lärche auf einem Douglasien-Stumpf.
Aber was bringt uns diese alte Technik heute?
Das Insektensterben ist mittlerweile in aller Munde. Gründe dafür sind unter anderem ein geringes Nahrungsangebot und mangelnder Lebensraum. Zumindest letzterem kann man mit einer Klotzbeute entgegenwirken. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass sich in Klotzbeuten neben den eigentlich geplanten Bienen auch Bücherskorpione ansiedeln. Diese sind natürliche Fraßfeinde der Varroa-Milbe, welche die Bienenbestände deutschlandweit bedroht.

Rund um die Klotzbeute erstrecken sich mehrere Hektar Buchen- und Eichenwälder. Auch ein Kirschensaatgutbestand liegt in unmittelbarere Nähe
Vor nicht allzu langer Zeit wurde in einem Waldstück bei uns eine neue Klotzbeute aufgestellt. Einen passenden Standort zu finden war nicht ganz leicht. Doch jetzt ist er gefunden. Die in einer ausgehöhlten Lärche angelegte Klotzbeute steht in unmittelbarer Nähe zu einem Kirschensaatgutbestand. 

Der Vorteil für die Bienen: eine Nahrungsquelle in unmittelbarer Nähe. Der Vorteil für den Waldbesitzer: genügend potenzielle Bestäuber für seine Kirschen und somit eine bessere Saatgutausbeute.

Zur Stabilisierung und um den Bienen eine Starthilfe zu geben, befinden sich im Inneren der Klotzbeute mehrere Querverstrebungen

Montag, 20. August 2018

Waldwochenende auf der Landesgartenschau in Bad Iburg

Am Samstag vor einer Woche war ich auf der Landesgartenschau in Bad Iburg, jedoch nicht nur als Besucher, sondern als Standbetreuung für einen Stand der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der Waldschutzgenossenschaft Osnabrück-Süd und dem Naturpark TERRA.vita.

Unser Stand von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der Waldschutzgenossenschaft Osnabrück-Süd und dem Naturpark Terra Vita
Denn am letzten Wochenende war "Waldwochenende". Die Niedersächsischen Landesforsten hatten einiges rund ums Thema Wald organisiert und auch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen bzw. das Forstamt Weser-Ems waren vertreten. An zwei Tagen konnten wir uns an unserem Stand präsentieren, mit den Besuchern in Kontakt kommen und reichlich Bäumchen verschenken.

Infoflyer zu unserer Arbeit und allem, was mit ihr zusammenhängt

"Bäumchen verschenken"? Ja ganz richtig, wir hatten zusammen mit der Waldschutzgenossenschaft Osnabrück-Süd mehrere Tausend Jiffy-Pflanzen besorgt, die wir interessierten Besuchern für den eigenen Wald oder den eigenen Garten mitgeben konnten. Roteichen, Rotbuchen, Douglasien und einige wenige Esskastanien.

In Unserem Pavillion lagerten die Jiffy-Pflanzen von Roteiche, Rotbuche und Douglasie.

Zur Erklärung: Jiffy-Pflanzen sind Pflanzen, die mit einem kleinen Ballen geliefert werden. Dadurch konnten wir trotz der hohen Augusttemperaturen sicherstellen, dass die Wurzeln nicht austrockneten, während die Bäumchen auf ihre neuen Besitzer warteten. Ein großer Anwuchserfolg sollte damit auf jden Fall gegeben sein.



Donnerstag, 5. April 2018

Der Weg zum Förster

Wie wird man eigentlich Förster in Niedersachsen? Vielleicht habt Ihr Euch diese Frage auch schon mal gestellt, deswegen will ich es heute mal erläutern.

Der Weg zum Förster/Försterin beginnt schon mit dem richtigen Schulabschluss. Wer Förster werden will, dem sollte schon zu Schulzeiten klar sein, dass man für dieser Beruf ein Studium voraussetzt. Das heißt also, dass man in der Schule mindestens die Fachhochschulreife erlangen muss.

Ist die Schule abgeschlossen, folgt das Studium der Forstwirtschaft oder Forstwissenschaft an einer Fachhochschule oder an einer Universität. Wer in Niedersachsen bleiben möchte, kann nur in Göttingen studieren. Dort hat er oder sie die Wahl zwischen der HAWK (Fachhochschule) und der Georg-August-Universität. Ich selbst habe nicht in Niedersachsen studiert, sondern bin nach meiner Schulzeit im Rheinland nach Dresden gezogen. In Tharandt, 20 Kilometer südwestlich der sächsischen Landeshauptstadt, befindet sich die forstliche Fakultät der TU Dresden.

Ziel des Studiums ist es, den Bachelorgrad zu erwerben. Mit dem Bachelor in Forstwirtschaft/Forstwissenschaften kann man sich nun auf Anwärter- oder Trainee-Stellen bei den verschiedenen Forstverwaltungen bewerben.

Wer noch keinen Jagdschein hat, sollte diesen unbedingt innerhalb des Studiums erwerben. Der Jagdschein ist Einstellungsvoraussetzung sowohl für Anwärter und Trainee als auch für die "fertigen" Förster.

Die Anwärter-Ausbildung dauert in Niedersachsen eineinhalb Jahre. 10 Monate lang begleitet man einen gestandenen Förster im Revier, 3 Monate verbringt man im Forstamt und in einem zweimonatigen Lehrgang lernt man alle rechtlichen und verwaltungstechnischen Grundlagen, die den Forst betreffen. Einen weiteren Monat hospitiert man in einem anderen Betrieb aus dem Sektor Forst und zu guter Letzt sind 2 Monate für die Prüfungen reserviert. Mit dem erfolgreichen Bestehen der Prüfungen erlangt man die Befähigung für den gehobenen Forstdienst. Mit anderen Worten, man kann verbeamtet werden.

Das Trainee-Programm dauert 2 Jahre, schließt jedoch mit keiner Prüfung ab. Eine Verbeamtung ist hier nicht vorgesehen.

Ich habe meinen Anwärterdienst bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen absolviert und wurde, wie meine Anwärterkollegen von der LWK, sofort nach den Prüfungen übernommen. Das ist jetzt zwei Jahre her. Seitdem leite ich eine Bezirksförsterei im Raum Osnabrück mit ca. 2550 ha Wald und knapp 600 Waldbesitzern. Und seit dem 01. April bin ich auch tatsächlich Beamtin.

Mittwoch, 28. Februar 2018

Holz, Holz, Holz...

 ...wohin das Auge blickt.

Bei dem schönen Frost, den wir aktuell haben, können wir im Wald richtig ranklotzen und fleißig Sturmholz aufarbeiten und rücken, ohne dass wir den Boden mit den schweren Maschinen kaputt fahren. Das müssen wir natürlich ausnutzen.

Nicht nur die Unternehmer schuften den ganzen Tag, viele Waldbesitzer arbeiten ihr Sturmholz selber auf und bringen es an die Wege, wo wir es dann zusammen aufmessen können. Wenn das Holz mit dem Harvester aufgearbeitet wurde, bekomme ich ein Maschinenprotokoll, aus dem genau hervorgeht, wie viel Holz in welchen Mengen, Längen, Durchmessern und Güteklassen pro Waldbesitzer geschlagen wurde. Sind die Waldbesitzer selber mit der Motorsäge aktiv, gibt es ein solches Protokoll natürlich nicht. Das bedeutet für uns Förster, dass jeder Stamm einzeln vermessen und nummeriert wird.

Im letzten Licht des Tages liegen etliche Festmeter Holz für den Verkauf und Abtransport bereit.
Vom Harvester aufgearbeitetes Stammholz.
An diesem Weg liegt vom Harvester geschnittenes Kurzholz. Je nach Qualität entstehen hieraus Bretter, Spanplatten, Tierstreu oder Paletten.
Kürzeres Holz, also Abschnitt und Industrieholz, wie auf dem untersten Bild zu sehen, wird im Raummaß verkauft. Im Grunde funktioniert das ganz klassisch, wie man es in der Schule gelernt hat, Länge x Breite x Höhe. Da so ein Polter aber nicht an jeder Stelle gleich hoch ist, werden mehrere Messungen vorgenommen und ein Durchschnitt ermittelt. Außerdem müssen wir immer einschätzen, wie viel Luft in einem Polter vorhanden ist. Je nach dem wie gerade oder krumm das gepolterte Holz ist, liegt der Luftanteil zwischen 4 und 15 Prozent. Wenn alle Maße vorliegen, kann das Holz durch die Vermartkungsorganisation der Waldbesitzer verkauft werden.