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Montag, 9. Oktober 2017

Bodenschonende Waldarbeit

Pünktlich zur Einschlagsaison hat in diesem Jahr der Dauerregen eingesetzt. Die Böden sind völlig durchweicht und vielerorts nicht mehr tragfähig. Jetzt helfen nicht mal mehr die üblichen Tricks, um mit den schweren Maschinen nicht den Boden zu zerstören. Bei solchen Verhältnissen bleibt nichts anderes übrig, als die Arbeiten abzubrechen und auf trockeneres Wetter zu hoffen.

Hier sieht man die Einfahrt einer Rückegasse, die trotz der hohen Belastung noch keine tiefen Fahrspuren aufweist.
Dabei gibt es viele Möglichkeiten, den Wald auch mit schwerem Gerät zu bewirtschaften, ohne die Waldböden kaputt zu fahren.
Der einfachste Schritt ist immer eine dauerhafte Anlage von Rückegassen. Diese werden im Idealfall alle 20 bis 25 Meter eingerichtet und ermöglichen auf diese Weise eine Holzernte, ohne den kompletten Bestand befahren zu müssen. Die Maschinen bewegen sich lediglich auf den Rückegassen, sodass der Boden zwischen ihnen überhaupt nicht belastet wird.

Wenn der Harvester in den für die Durchforstung vorgesehenen Bestand kommt, legt er sich das anfallende Kronenmaterial immer vor sich auf die Gasse. Dadurch entsteht eine zusätzliche Polsterung, auf der sowohl Harvester als auch Forwarder fahren können ohne tiefe Fahrspuren zu hinterlassen.

Wer schonmal einen Harvester oder einen Forwarder aus der Nähe gesehen hat, dem wird aufgefallen sein, dass beide Maschinen über 6 oder 8 sehr große Reifen verfügen. Durch einen geringeren Reifendruck wird die Auflagefläche der Reifen zusätzlich erhöht. Je größer der Reifen, desto besser verteilt sich das Gewicht der Maschinen auf der Fläche. Mittlerweile gibt es sogar schon Geräte mit mehr als 8 Reifen und dort, wo die Böden noch empfindlicher sind, z.B. in Mooren, werden Fahrzeuge mit Ketten eingesetzt.

Ein Forstschlepper zieht gerade schwere Buchenstämme aus dem Bestand, auch hier hat die Maschine noch keine Gleise hinterlassen.
Erst wenn alle diese Methoden nicht mehr greifen, müssen wir die Holzernte und Rückung aussetzen und warten, bis der Boden und die Wege wieder trocken genug sind.

Montag, 2. Oktober 2017

Der Herbst hat begonnen...

...und mit ihm die Einschlagsaison.

Seit ich aus dem Urlaub wieder da bin, stecke ich bis zum Hals in Arbeit. Zwei Wochen lang begleitete mich dabei eine Schülerpraktikantin aus der 9. Klasse. Zusammen haben wir einige Bestände für die anstehende Durchforstung vorbereitet, die Fällungen überwacht und das Holz anschließend aufgemessen.

Ein großes Fichtenpolter, aus dem Tierstreu hergestellt wird.
Besonders aktuell ist im Moment der Bucheneinschlag. Da das Stammholz zum Teil bis nach China exportiert wird und die dortigen Kunden das Holz möglichst vor Weihnachten haben möchten, müssen wir schon ab Mitte August in die Buchen gehen. Auch wenn diese dann noch voller Laub sind.

Bei dem Stammholz haben wir ganz spezielle Vorgaben, nach denen die Stammstücke ausgehalten werden sollen. Entweder fallen die Stämme in das bessere Sortiment (B/C) oder in das etwas schlechtere (C). Ich, als Försterin, muss beim Aufmessen schon die Qualität beurteilen und in das entsprechende Computerprogramm einpflegen. Der Käufer bekommt dann von mir eine Liste, auf der er genau sieht, welcher Stamm wie lang und wie dick ist und welche Qualität er hat.

Diese Buche hat zwar einen sehr schönen Kern in Herzform, fällt aber genau deswegen in das C-Sortiment.

Zur besseren Identifizierung wird jeder Stamm während des Messens nummeriert. Der Holzkäufer kommt dann zu mir ins Revier und kontrolliert jeden Stamm ganz genau. Dabei kann es auch mal vorkommen, dass er bei der Beurteilung der Qualität zu einem anderen Schluss kommt als ich. Zusammen überlegen wir dann, was nun wirklich passt. Am Ende kann die Qualität einen Preisunterschied von knapp 20,00 € pro Festmeter ausmachen, deswegen ist die Beurteilung sowohl für den Kunden als auch für den Waldbesitzer so wichtig und muss mit äußerster Sorgfalt erfolgen.

Die Buchenstämme liegen aufgemessen und bewertet für die Inaugenscheinnahme durch den Kunden am Waldweg bereit.

Aber genau diese Aushaltung und die Begutachtung der Stämme durch den Käufer bedürfen eines enormen Platzangebotes, denn das Holz darf nicht gepoltert werden. Jeder einzelne Stamm muss vom Käufer von Kopf bis Fuß in Augenschein genommen werden können und deshalb einzeln liegen. Auch wird ein relativ großer Platz benötigt, um das Holz noch vor Ort in Übersee-Container verladen zu können. Das muss ich auf jeden Fall beachten, wenn ich so eine Buchen-Durchforstung plane.

Bis jetzt läufts aber rund. 👍

Dienstag, 12. September 2017

Was produzieren wir da eigentlich im Wald? -Die verschiedenen Sortimente

Baum ist nicht gleich Baum und Holz ist nicht gleich Holz. So viel ist klar. Aber genau das macht die Schwiereigkeiten aus, wenn man eine Durchforstung plant.
Ich muss mir im Vorhinein überlegen, welche Baumarten bzw. welches Holz anfällt, wie viel es ungefähr wird, in was für Sortimente die Stämme geschnitten werden sollen und ob es aktuell überhaupt eine Nachfrage nach diesen Sortimenten gibt. 

Hier liegen 4,5m lange Küstentannenabschnitte, aus denen irgendwann Bretter gesägt werden.
Beim Nadelholz unterscheidet man zwischen Stammholz, Abschnitten und Industrieholz. Stammholz, also Stämme, die bis zu 20 Meter lang sein dürfen, werden beispielsweise zu Balken für Dachstühle verarbeitet. Abschnitte, die entweder 3, 4 oder 5 Meter lang sind, zu Brettern. Aus Industrieholz, das oft schon ganz trocken oder faul ist und dessen Länge in der Regel zwischen 2,4 und 3 Metern liegt, wird zum Beispiel Papier oder Tierstreu hergestellt. Auch Spanplatten bestehen aus diesem Holz. Es versteht sich von selbst, dass Stammholz und Abschnitte wertvoller sind als Industrieholz.
 

Im Laubholz gibt es etwas andere Sortimente. Das Stammholz untergliedert sich in besseres z.B. für den Möbelbau und schlechteres, welches eher für Europaletten genutzt wird. Das bessere Stammholz wird heutzutage sogar sehr oft in Container verladen und nach Asien verschifft. Der Rest des Holzes wird als Brennholz oder Industrieholz vermarktet. Gelegentlich kommt es vor, dass ein Käufer auf der Suche nach Abschnitten ist, welche er dann zu Dielen oder Parkett sägt, dann versuchen wir natürlich auch, die gewünschten Sortimente zu liefern.

Aus diesen Pappeln werden in Indien Streichhölzer gefertigt.
Der eigentliche Holzverkauf wird in Niedersachsens Privatwäldern nicht durch die Förster vorgenommen, das übernehmen die Vermarktungsorganisationen der Waldbesitzer. Wir Förster stellen das Holz nur bereit. Das heißt, wir lagern es an ganzjährig LKW-befahrbaren Wegen, messen die genaue Menge und übermitteln diese an Käufer und Vermarktungsorganisation. Letzere schreibt dann die Abrechnung und sorgt dafür, dass der Waldbesitzer sein Geld bekommt.

Montag, 4. September 2017

Eine Kultur will gut geplant sein

Wenn wir im Wald eine neue Kultur anlegen wollen, ist einiges an Vorarbeit notwendig. Zuerst sollte sich der Waldbesitzer klar darüber werden, in welche grobe Richtung seine (Baumarten-) Wünsche gehen und ob er dafür Fördergelder in Anspruch nehmen möchte.

So kann eine Douglasienkultur drei Jahre nach der Pflanzung aussehen.

Nicht jede Kultur ist aber förderfähig. Umso wichtiger ist es, dass ich den Waldbesitzer dazu eingehend beraten kann. Reine Nadelholzkulturen werden in Niedersachsen beispielsweise nicht gefördert, Kulturen mit mindestens 50% Laubholzanteil werden aber schon mit 70% der Nettokosten gefördert, reine Laubkulturen sogar mit 85% der Nettokosten. Um Fördermittel zu erhalten muss die Kultur aber zudem mindestens 3000 m² groß sein. Außerdem muss man noch wissen, dass nicht jede Baumart gleich stark gefördert wird. Die meisten Laubbäume werden allerdings zu 100%, die meisten Nadelbäume jedoch nur zu 50% bezuschusst.

Doch welche Baumarten passen überhaupt auf meinen Standort? Darüber gibt eine Standortkartierung Auskunft. Sie ermittelt anhand von Bodenproben, wie es um den Nährstoff- und Wasserhaushalt des Bodens bestellt ist und um was für ein Bodensubstrat es sich handelt, z.B. Sand oder Lehm etc.


In diesem Jahr habe ich das erste Mal Elsbeeren in einer Kultur 

gepflanzt und sie sind richtig gut angewachsen.

In einer Matrix kann ich dann genau ablesen, welcher Waldentwicklungstyp (WET) auf diesem Standort möglich ist und dementsprechend auch gefördert wird. In den WETs ist genau festgelegt, welche Baumarten ich pflanzen darf und muss.

Wenn mein Waldbesitzer keine Förderung in Anspruch nehmen möchte, braucht er auch keine Standortkartierung. Er kann dann auf der Fläche jede Baumart pflanzen, die er möchte und unterliegt nicht den Vorgaben von Bund und Land.

Jeder Waldbesitzer muss also für sich selbst entscheiden, welches Konzept für ihn am besten passt und egal, wie er sich entscheidet, helfe ich ihm dann, die Planung in die Tat umzusetzen.

Montag, 28. August 2017

Der verhängnisvolle Pilz

Die Esche ist eine Baumart, die auf recht nassen Standorten wunderbar hartes und helles Holz produziert. Sie ist eine der wenigen heimischen Baumarten, die ausgezeichnet mit Nässe zurecht kommen. Ähnlich gut schafft das fast nur noch die Erle, aber deren Holz ist nicht so wertvoll.

Seit einiger Zeit aber ist die Esche in ihrer Existens bedroht. Ein Pilz, genauer gesagt das Falsche Weiße Stängelbecherchen (Hymenoscyphus pseudoalbidus), befällt die Eschen und bringt sie zum Absterben. Im Moment sieht es sogar so aus, als würde tatsächlich jede befallene Esche innerhalb kurzer Zeit das Zeitliche segnen. 


Immer mehr Eschen werden von dem Falschen Weißen Stängelbecherchen befallen und zum Absterben gebracht.

Der Pilz sorgt neben dem Absterben des Baumes auch dafür, dass das Holz entwertet wird. Die Esche fault von innen heraus weg und faules Holz möchte natürlich niemand gerne kaufen. Da aber im Moment wahnsinnig viel Eschenholz zwangsweise anfällt, gehen die Preise in den Keller.

Ein weiteres Problem, das der Pilz mit sich bringt, ist die deutlich erhöhte Bruchgefahr in der Eschenkrone und auch am Stamm. Entlang von öffentlichen Straßen, an denen Wald- bzw. Baumbesitzer verkehrssicherungspflichtig sind, müssen befallene Eschen möglichst sofort gefällt werden, damit keine Baumteile auf die Straßen fallen und so Unfälle verursachen. 

Es stellt sich natürlich die Frage, ob es nicht eine Möglichkeit gibt, befallene Eschen zu retten, aber leider gibt es derzeit kein wirksames Gegenmittel auf dem Markt. Die einzige Hoffnung ist jetzt, dass sich einzelne Eschen als resistent erweisen und von diesen dann resistentes Saatgut gewonnen werden kann. 


Ganze Bestände in allen möglichen Alterstufen werden infiziert.

Im Grunde bleibt uns nichts anderes übrig, als abzuwarten, was zukünftig mit der Esche passieren wird. Ein Totalausfall dieser wertvollen Baumart wäre ein riesiger Verlust für die Forstwirtschaft.

Montag, 14. August 2017

Naturschutz im Privatwald

Der Naturschutz nimmt deutschlandweit eine immer wichtigere Rolle in der Forstwirtschaft ein. Dabei unterliegen nicht nur staatliche Wälder den Bestimmungen des Gesetzgebers sondern auch alle Privatwälder.

Die Naturschutz- und Waldgesetze des Bundes und der Länder regeln im Einzelnen, wie der Naturschutz im Wald auszusehen hat. Das reicht von ganz allgemeinen Dingen wie den Erhalt des Waldes als solchen bis zu ganz speziellen Sachverhalten.

Sogenannte "Habitatbäume" beispielsweise sind besonders schützenswert und dürfen nicht gefällt oder beschädigt werden. Sie bieten vielen verschiedenen Vogel-, Säugetier- und Insektenarten Lebensraum, Schutz und Nahrung.



Diese Eiche ist von Spechthöhlen durchlöchert, doch nicht nur Spechte finden hier zuflucht, auch andere Vogel-, Insekten und Säugetierarten nutzen verlassene Spechthöhlen gerne als Behausung.

Oft sorgt eine Tierart dann soagr dafür, dass auch für andere Arten der Weg geebnet wird. Spechte zum Besispiel hacken Höhlen in einen Stamm, um dort zu brüten. Oft suchen sie sich im darauf folgenden Jahr jedoch schon wieder einen neuen Baum. Doch die Höhle bleibt nicht leer: Fledermäuse, Siebenschläfer oder Kleiber, um nur einige zu nennen, sind dankbare Nachmieter, denn sie können selbst keine Höhlen bauen.

Ein Baum wie der auf dem Foto muss also in jedem Fall erhalten bleiben.

Der Schutz der Habitatbäume ist nur ein Aspekt von vielen, die den Naturschutz im (Privat-)Wald betreffen. Andere Punkte wie z.B. den Bodenschutz werde ich an anderer Stelle nochmal aufgreifen.

Montag, 7. August 2017

Artenvielfalt im Wirtschaftswald

Viele Menschen glauben, dass die Artenvielfalt oder auch Biodiversität in einem Wald, der bewirtschaftet wird, sehr gering ist. Sie sind der Meinung, die größte Artenvielfalt werde dann erreicht, wenn man den Wald sich selbst überließe.

links: Schlüsselblume; rechts oben: Märzenbecher;          rechts unten: Buschwindröschen
Das stimmt jedoch nur zum Teil und mag vielleicht für Bestände zutreffen, die von vornherein eine hohe Artenvielfalt und Struktur aufweisen.

In unserer Region, deren Wälder sich durch einen hohen Anteil an Buchen auszeichnen, erreichen wir eine höhere Artenvielfalt gerade durch die Bewirtschaftung.

Wer schon mal durch einen reinen Buchenbestand spaziert ist, weiß, wie dunkel es dort ist. Die Kronendecke ist dicht und lässt kaum Sonnenlicht an den Boden. Die meisten Pflanzen der Krautschicht, also Blumen und Gräser, können ohne Licht aber nicht wachsen, selbst wenn genug Wasser und Nährstoffe vorhanden sind.

links oben: Waldgoldstern; links unten: Lungenkraut; rechts oben: Hohler Lerchensporn; rechts unten: Wald-Bingelkraut
Abhilfe schafft da eine Durchforstung. Durch die gezielte Herausnahme einzelner Buchen, bringen wir das Sonnenlicht an den Boden. Dort befindliche Mikroorganismen werden aktiviert und können nun den Samen anderer Pflanzen den Weg bereiten.


Das Ergebnis sind Buchenwälder, die im Frühjahr nach Bärlauch und Waldmeister duften, in denen Buschwindröschen, Schlüsselblume und Hexenkraut blühen und in denen die Luft schwirrt vor Insekten.

Eine höhere Artenvielfalt kann es kaum geben.

Montag, 31. Juli 2017

Das große "Wie?"

Wenn die Durchforstungsperiode langsam näher rückt, wird es Zeit, sich über das "Wie?" Gedanken zu machen. Einige meiner Waldbesitzer gehen noch selber mit der Motorsäge in den Wald, fällen die Bäume, kürzen sie auf die entsprechenden Längen und rücken sie anschließend an den nächsten Weg.

Der weitaus größere Teil der Waldbesitzer beauftrag einen Unternehmer mit diesen Aufgaben.

Das meiste Holz wird heutzutage mit einem Harvester gefällt und aufgearbeitet. Das bietet einige Vorteile gegenüber der motormanuellen Fällung mit der Motorsäge. Der größte Pluspunkt ist dabei die erhöhte Sicherheit. Der Fahrer des Harvesters sitzt geschütz in einer Kabine, die außen nocheinmal verstärkt ist, um herabfallende Äste usw. standzuhalten. Außerdem schütz sie vor Wind und Regen, im Sommer vor zu großer Hitze und im Winter vor Kälte. Auch wirtschaftlich gesehen, ist der Harvesterin den meisten Fällen vorzuziehen. Er arbeitet sehr viel schneller, bis zu 18 FM pro Stunde sind möglich. Motormanuell nur maximal 5-10 FM pro Stunde.

Hier handelt es sich um mehrere verschiedene Sortimente, die bei einer Lärchendurchforstung mit einem Harvester angefallen sind.

Ein Forstwirt mit einer Motorsäge kommt immer dann ins Spiel, wenn das zu fällende Holz für den Harvester zu dick ist. Beispielsweise bei dem Wertholz für die Submission (vgl. Nur das Beste) Der Harvester meines Stammunternehmers kann Bäume mit einem Durchmesser von bis zu 75 cm greifen und fällen. Alles, was dicker ist, wird mit der Motorsäge erledigt.

Auch wenn der Harvester schneller, sicherer und meistens auch günstiger ist als ein Forstewirt mit Motorsäge, gibt es doch Waldbesitzer, die zum Teil aus Unwissenheit oder einfach aus Nostalgie die Motorsäge dem Harvester vorziehen.

Montag, 24. Juli 2017

Grenzgeschichten

Ich arbeite in einer Gegend, in der der Privatwald sehr klein strukturiert ist. Viele Waldbesitzer nennen Flächen ihr Eigen, die keine 2 ha halten. Neben den erschwerten Bedingungen bei der Pflege solcher Bestände, liegen die Probleme oft im Auffinden des genauen Grenzverlaufs.

Gerade wenn der Wald auf die nächste Generation übergeht oder Wald neu gekauft wurde, müssen die Grenzen aber gefunden werden.

Ein Großteil der Grenzen ist gar nicht oder nicht eindeutig markiert. Grenzsteine gibt es zwar, sind aber nicht die Regel. Mancherorts wurden Grenzwälle geschoben, an anderer Stelle Gräben ausgehoben. Gelegentlich wurden auch bestandesuntypische Baumarten entlang der Grenze gepflanzt zum Beispiel in einen Fichtenreinbestand Lärchen oder in einen Buchenreinbestand Eichen.

oben links: ein gefundener und markierter Grenzstein; unten links: man kann noch einen Grenzgraben bzw. Wall erahnen, entlang der Grenze wurden zusätzlich die Fichten farblich markiert; rechts: im Idealfall findet man alle paar Meter einen markierten Grenzstein

Im Laufe der Zeit verschwinden diese althergebrachten Markierungen jedoch oft. Grenzsteine werden umgepflügt oder derart von Pflanzen überwachsen, dass man sie einfach nicht mehr findet. Grenzbäume können im Zuge verschiedener Pflegemaßnahmen gefällt worden sein, Gräben und Wälle flachen ab.

Ich verbringe also sehr viel Zeit damit, zusammen mit dem jeweiligen Waldbesitzer unklare Grenzverläufe aufzuspüren und neu zu markieren.

Sherlock Holmes ist nichts dagegen.

Montag, 17. Juli 2017

Ausgezeichnet

Die Hauptsaison für Durchforstungen liegt im Herbst und Winter eines jeden Jahres. Damit in der relativ kurzen Zeit alles reibungslos läuft, muss es im Sommer gut vorbereitet werden. Ich bespreche also jetzt mit den Waldbesitzern, welche Flächen wir durchforsten sollten und bereite die Bestände daraufhin entsprechend vor.

Im Grunde heißt das, dass ich mit allerlei Sprühfarben bewaffnet durch die Bestände gehe und die Bäume farblich markiere, die entnommen werden sollen. In Förstersprache heißt es dann, "ich zeichne einen Bestand aus".

Dabei gucke ich mir jeden Baum genau an, denn nicht jeden Baum darf ich fällen lassen. Sogenannte "Habitatbäume" sind gesetzlich geschützt und dürfen nicht gefällt oder beschädigt werden. Sie bieten Lebensraum für seltene Tierarten wie verschiedene Spechte, Hornissen oder Fledermäuse. Auch möchte ich in der Regel nicht die schönsten Bäume als erstes fällen, sie sollen ruhig noch etwas dicker werden und ihre guten Gene in Form von Naturverjüngung in die nächste Waldgeneration weitertragen.

Wie viele Bäume pro Durchforstung entnommen werden, hängt ganz davon ab, wie dicht der Bestand aktuell ist. Ich versuche immer so viele Bäume zu entnehmen, dass alle verbleibenden für die nächsten 5 bis 10 Jahre Platz genug haben, um noch weiter zu wachsen. Die Baumart spielt auch eine Rolle, einen Buchenbestand kann ich stärker durchforsten als einen Fichtenbestand. Grund dafür ist die bei der Buche auch im hohen Alter noch sehr gute Plastizität in der Krone (d.h. dass auch eine alte Buche noch in der Lage ist, ihre Krone weiter auszubauen), während die Kronenplastizität bei der Fichte schon früh nachlässt und große Bestandeslücken nach einer Durchforstung nicht mehr geschlossen werden können.

Montag, 10. Juli 2017

Nur das Beste

Im nächsten Winter findet hier in der Region wieder eine große Wertholzsubmission statt. Das bedeutet, dass Holz mit besonders guter Qualität auf einen zentralen Platz gelegt wird, wo es die potentiellen Käufer mehrere Wochen lang begutachten können. 

Dann entscheiden sie, ob sie einen Stamm bebieten wollen und wie hoch das Gebot ausfallen soll. Alle Gebote werden in verschlossenen Briefumschlägen eingereicht und erst an einem festgelegten Stichtag geöffnet. Anschließend wird das Höchstgebot je Stamm ermittelt und die Käufer erfahren, für welche Stämme sie den Zuschlag erhalten haben.

Da die gesamt Submission ein recht aufwändiger und zeitintensiver Prozess ist, beginnen wir Förster schon jetzt im Sommer damit, geeignete Bäume auszuwählen. Wenn also ein Waldbesitzer eine Durchforstung seiner Bestände in Auftrag gibt, halten wir immer Ausschau nach Bäumen, die besonders hochwertig scheinen. 

Aber was heißt das überhaupt? 

Hier sitzt mein Hund auf einer für die letzte Submission vorgesehenen Esche.

Erstmal ist zusagen, dass es in unserer Region vorrangig um Eichen und Eschen geht. Diese sollen möglichst dick, mindestens jedoch 40 cm ohne Rinde in der Mitte des Stammes, sein. Außerdem dürfen sie am Stammstück möglichst keine Äste haben, zumindest keine dicken und faule schon gleich gar nicht. Dass der Baum gerade und nicht in sich gedreht sein sollte, versteht sich von selbst.

Also dann, auf geht die Suche... 

Montag, 3. Juli 2017

Sommerloch

Im Sommer ist es im Wald traditionell immer etwas ruhiger. Das liegt zum einen daran, dass die Bäume alle belaubt sind und "im Saft stehen" und zum anderen daran, dass in den Frühlings- und Sommermonaten die meisten Tierarten ihren Nachwuchs bekommen. 

Nichts desto trotz gibt es eine ganze Menge zu tun. Allen voran steht die Abrechnung der in diesem Frühjahr angelegten Kulturen. Wie hoch sind die Kosten ausgefallen und in welcher Höhe kann der Waldbesitzer die beantragte Förderung vom Land erwarten? Das bedeutet eine Menge Schreibtischarbeit.

Abwechslung bieten da Termine wie die "Waldjugendspiele", die für die Grundschulen der Umgebung angeboten und von Lehrern, Eltern und uns Förstern umgesetzt werden.

Baumscheiben zum Jahrring-Zählen, Maßband und Laufzettel

Erst letzte Woche durften meine Hündin und ich wieder an so einer Veranstaltung teilnehmen. Schülerinnen und Schüler der 1. bis 4. Klassen absolvierten einen Waldparcours mit 10 verschiedenen Stationen. Bei uns wurde das Alter eines Baumes anhand von Jahrringen ermittelt, der Umfang einer Esche gemessen und die Höhe derselben geschätzt. Das Wetter war super und die Schülerinnen und Schüler haben wirklich prima mitgemacht.

Zum Försterberuf zählen also neben den "normalen" Förstertätigkeiten auch Dinge wie Waldpädagogik und Umweltbildung. Ein wirklich abwechslungsreicher Beruf.

Montag, 26. Juni 2017

Käferalarm

Jetzt im Sommer, wenn es warm und trocken ist, findet der Borkenkäfer optimale Bedingungen. Ihr habt vielleicht schon von ihm gehört. Er ist nur wenige Millimeter groß, kann aber, wenn er vermehrt auftritt, zum Absterben ganzer Fichtenbestände führen.


Wenn in einem Fichtenbestand einige Bäume trocken werden, ist das oft ein Anzeichen für den Borkenkäfer.

Heute war ich mit einem Waldbesitzer unterwegs, der bei sich im Wald einige befallene Fichten gefällt hat. Zusammen haben wir das Holz gemessen, damit es rasch verkauft und aus dem Wald abgeholt werden kann. 

Denn jetzt heißt es schnell sein. 

Solange das "Käferholz" im Wald liegt, kann der Käfer, dessen Larven sich unter der Rinde entwickeln, von dort ausschwärmen und die umliegenden Fichten befallen. Also heißt es, das Holz so schnell wie möglich aus dem Wald schaffen. 

So sieht das Fraßbild der Borkenkäfer und deren Larven aus.

Wenn das z.B. aus logistischen Gründen nicht schnell genug geht, muss der Holzpolter mit einem Insektizid behandelt werden. Bei der klassischen Variante wird das Insektizid mittels Düsen auf den Polter gespritzt. Eine neuere Methode sieht vor, ein insektizidgetränktes Netz über dem Polter auszubreiten.

Beide Systeme wirken gleichermaßen gut, Hauptsache ist nur, dass sie rechtzeitig Anwendung finden. 

Ich bin trotzdem kein Fan von Insektiziden und würde immer erstmal versuchen, das Holz schnell abfahren zu lassen.